Review von Benjamin
Wer denkt, es ginge in Race Driver Grid um einen Rennfahrer
namens "Grid" hat sich schonmal schwer getäuscht. Genau wie
ich, als ich vor dem anspielen dachte, es handele sich hier um eine dieser
zahlreichen Rennsimulationen die mir in etwa so viel Action bieten, wie der
Kaffeekranz Sonntags bei meiner Oma. Naja, dort gibts wenigstens Kuchen.
Race Driver Grid bietet dafür eine Menge Spaß, der aber mit ein
paar Frustmomenten ab und an gedämpft wird. Ach ja, um auf den Namen
zurückzukommen: Das "Grid" bedeutet soviel wie "Startaufstellung".
Das Spiel ist Teil der "Race Driver"-Serie, welche vor allem durch
die DTM-Race Driver-Spiele bekannt sein dürfte. Während diese sich
auf die deutsche Tourenwagen-Masters konzentrierten, hat Grid mit dieser
nichts mehr zu tun. Mir kommt es eher so vor, als wolle Codemasters mit diesem
Spiel eher ein bisschen in die Richtung der "Need for Speed"-Serie
gehen, welche in den letzten Spielen ja eher auf Arcaderennen und Tuning
setzte. Schnelle, bunte Karren und geile Weiber also. Wobei letzteres bei
Grid leider in keinster Weise vorhanden ist. Ich tröste mich aber mit
dem Gedanken, dass Rundungen am Computer sowieso viel besser dargestellt
werden können, als auf dem kleinen DS-Bildschirm. Aber zur Grafik komme
ich erst später. Lasst uns zuersteinmal den Motor inspizieren...
Race Driver: Grid bietet dem Spieler eine Reihe unterschiedlicher Renn-Herausforderungen
in Japan, USA und dem guten alten Europa. Die meisten dieser Herausforderungen
sind altbekannte Dinge wie z.B. "Meisterschaft" und "Zeitfahren".
Relativ neu sind hingegen die Prüfungen. Diese sind auch ganz ohne einen
Fahrlehrer und machen dadurch natürlich noch mehr Spaß.
Während dich der Fahrlehrer bei der "Speed-Prüfung" in
der Ortschaft wohl eher am Kragen packen würde, muss man im Spiel eine
gewisse Durchschnittsgeschwindigkeit erreichen, die natürlich nicht
gerade niedrig angesetzt ist. Dadurch wird jede Kurve zur Herausforderung,
denn dort kann man sich schnell einmal verschätzen. Bei der Lenkprüfung
muss man durch Torbogen fahren, die auf der Strecke platziert sind. Manchmal
auch an wirklich fiesen Stellen, so dass man sehr reaktionsschnell sein muss
um es noch zu erwischen. Schon ein einziges verpasstes Tor beudeutet meist "So,
das machen wir noch einmal!".
Punkte verdienen muss man sich in der Drift-Prüfung. In Need for Speed:
Underground waren die Drift-Rennen meine Lieblingsdisziplin. Auf dem DS finde
ich die Drifts aber irgendwie nicht so prickelnd. Das ging am Computer alles
irgendwie viel weicher und actionreicher. Aufgabe bei der Drift-Prüfung
ist, in den Kurven so lange wie möglich zu driften und am besten eine
hohe Geschwindigkeit beizubehalten. Dafür gibts dann Punkte. Knutsche
ich in dem Drift jedoch die Bande oder irgendein anderes Hindernis, gehe
ich leer aus.
Die Modi "Verfolger" und "Survival" sind eigentlich dasselbe,
nur das man die Rollen tauscht. Einmal muss man einen Wagen einholen, der
einen gewissen Vorsprung hat und in dem anderen Modus ist man eben der gejagte.
Räuber und Gendarme mit 8 Rädern also.
Ein etwas nerviger Modus ist das Zielbremsen. Hier muss man auf eine Zielscheibe
zufahren, die auf dem Boden aufgezeichnet ist. Ziel ist es, möglichst
in der Mitte dieser Zielscheibe zum Stehen zu kommen. Man muss also schauen,
ab wann man anfängt zu bremsen, damit man möglichst nahe in die
Mitte kommt. Nervig wird es, wenn man dazu auch noch eine gewisse Durchschnittsgeschwindigkeit
erreichen muss. Dann kann man schonmal die Geduld verlieren, wenn der 10.
Versuch immer noch nicht zum gewünschten Ergebnis führt. Der letzte
Satz erinnert mich übrigens an meine Fahrstunden...
Die "Blaupausen"-Veranstaltungen finde ich auch nicht sonderlich
unterhaltsam. In diesen muss man im Streckeneditor eine eigene Rennstrecke
bauen. Coole Sache auf der einen Seite, denn der Editor ist recht umfangreich.
Man kann neben verschiedenen Kurven und Streckenausschmückungen in Form
von Wäldern oder Windrädern sogar den Horizont ändern und
auch die Beleuchtung. Ja, selbst die Werbetafeln kann man selbst gestalten.
Auf der anderen Seite ist die Bedienung des Editors ziemlich friemelig.
Am Anfang der Streckenbau-Veranstaltung steht ein Briefing vom Kunden an.
Dort liest man dann z.B., dass man 3 mittellange Kurven, 2 Unterführungen
usw. auf der Strecke bauen soll. Diese Namen liest man dann wieder bei der
Auswahl der Bauelemente, bevor man diese platziert. Auf einer Checkliste
im Editor kann man nachlesen, welche Bedinungen man bereits erfüllt
hat und welche noch nicht. Als ich das erste mal diesen Modus gespielt habe,
bin ich irgendwie wohl auf einen falschen Knopf gekommen und musste ansehen
wie die Arbeit von 45 Minuten einfach so gelöscht wurde. Ohne Aufforderung
zum Speichern, ohne Warnung. Meine Strecke war einfach weg. ARGH!
Da lobe ich, dass man im Spiel jederzeit die Veranstaltungsorte und auch
Regionen wechseln kann. Ist in Europa nix mehr zu gewinnen? Okay, dann ab
nach Japan. Krieg' ich von Sushi das kotzen? Ab nach Amerika um dort die
Straßen unsicher zu machen. Dieses offene Spielprinzip, dass man also
jederzeit woanders weitermachen kann, hält mich oft im Spiel, obwohl
ich gefrustet bin von meiner Unfähigkeit ein bestimmtes Rennen zu gewinnen.
Alle Veranstaltungen haben gemein, dass man bei erfolgreichem Bestehen Medaillen
bekommt. Maximal kann man drei Medaillen in einer Veranstaltung erhalten,
muss dafür aber natürlich eine sehr gute Leistung abliefern. Minimum
ist eine Medaille. Leer ausgehen kann man natürlich auch, wie ich sehr
oft festgestellt habe.
Neben den Medaillen erhält man noch Reputationspunkte und neue Objekte,
wie z.B. Wagen und auch neue Veranstaltungen. Auch deren Anzahl hängt
davon ab, wie gut man gefahren ist. Das wiederum hängt sehr stark davon
ab, wie gefühlvoll man mit Gas und Bremse umgehen kann. Beides darf
man nicht vernachlässigen, vor allem in Kurven. Daneben kann man mit
den Schultertasten quasi einen virtuellen Schulterblick nach hinten machen,
um zu sehen wie weit die Verfolger dir auf den Versen sind. Schnuppert einer
quasi an deinem Auspuff, erscheint zusätzlich ein roter Pfeil im unteren
Teil des Bildschirms, der einem sagt von wo er sich nähert.
So
kann man "Alter Mann mit Hut" spielen und noch schnell vor seine
Nase fahren um die Schmach des Überholt-werdens zu vereiteln. So sieht
der Gegner dann dich, wie du dein Auto siehst: Von hinten. Die Perspektive
kann
jedoch jederzeit mit der Select-Taste geändert werden. Insgesamt gibt
es 4 Kameraperspektiven. Am besten finde ich persönlich die Ich-Perspektive
in normalen Rennen. Bei Drift-Veranstaltungen sollte man jedoch besser die
Third-Person-Ansicht wählen, um besser einschätzen zu können,
wie weit der hintere Teil des Wagens noch von der Bande entfernt ist. Denn
gerade in den Drift-Rennen ist es sehr wichtig, die Karre ganz zu lassen.
Es gibt zwar kein richtiges, visuelles Schadensmodell bei den Autos, dafür
sieht man im unteren Bildschirm neben der Strecke auch 4 Schadensanzeigen
in Form von Symbolen. Kaputt machen kann man die Schaltung, die Lenkung,
Aufhängung, Motor und die Reifen. Je stärker man die Bande berührt,
desto mehr verfärben sich diese Symbole ins rötliche. Das hat dann
wiederum Auswirkungen auf das Fahrverhalten des Wagens. Ist z.B. die Lenkung
angeschlagen, fängt der Wagen an, nach links zu ziehen. Ist die Schaltun
defekt, wird es schwer, die Höchstgeschwindigkeit zu erreichen. Im echten
Leben würden wir uns bei so einem Fall einfach an den Straßenrand
stellen und die gelben Engel anrufen. Bei einem Straßenrennen ist das
natürlich eine nicht sehr vorteilhafte Wahl und deshalb gibt es dafür
die Boxengasse. Im Gegensatz zum ADAC kostet mich diese kein Geld, sondern
nur Zeit. Denn in der Gasse wird man auf eine Mindestgeschwindigkeit heruntergedrosselt
und die eigentliche Reparatur erfolgt durch die Anzeige einer Uhr, die herunterzählt.
Meist nur wenige, dafür aber wichtige Sekunden. Man muss sich also gut überlegen,
wann man die Zeit investieren kann um in die Gasse zu fahren. Beim Herausfahren
dauert es dann wieder ein bisschen bis man das Gaspedal durchdrücken
darf. Ich finde es sehr gut, dass die Autos Schaden nehmen können und
das man im Gegenzug aber auch sein Auto reparieren lassen kann. Dadurch kann
man nicht einfach von Kurve zu Kurve crashen, sondern muss Fingergefühl
zeigen. Übel wird es natürlich, wenn einem die Boxengasse nicht
zur Verfügung steht, wie in den genannten Drift-Rennen z.B. Da ist dann
das gesamte fahrerische Können gefragt.
Mit welchen Wagen man fährt, hängt davon ab, in welcher Region
man fährt bzw. in welcher Stadt. In den USA fährt man u.a. mit
Markenautos von Dodge, Chevrolet oder Plymouth. In Japan bekommt man es mit
Toyota, Nissan, Mazda und Subaru zu tun und Europa wartet u.a. mit den Marken
von Aston Martin, Koenigsegg CCGT und Pagani Zonda R. Für mich klingen
die letztgenannten Namen eher wie italienische Weine oder teures Essen. Apropos
klingen: Manche dieser Autos haben Motorengeräusche als würde man
einen Mixer ins Kiesbett schmeißen. Das ist aber Gott sei Dank nur
bei sehr wenigen Modellen der Fall. Bei den meisten kann man wirklich auch
vom Geräusch her davon ausgehen, dass es sich um ein Automobil handelt.
Was mich mehr stört ist, dass ich in den Rennen immer eine Marke vorgeschrieben
bekomme und nur das Aussehen aus ca. 4 bis 5 möglichen Designs wählen
darf. In Amerika mit einem japanischen Auto zu fahren ist damit schonmal
nicht möglich. Dafür kann ich wenigstens meine Karren individuell
gestalten und auch tunen. An eigene Wagen kommt man aber nicht, wie in Polen,
mit dünnen Fingern oder langem Draht, sondern durch gewonnene Rennen.
Gewinne ich z.B. in Detroit ein Rennen, in denen ich nur die Marke Corvette
fahren kann, gewinne ich eine Corvette bei erfolgreichem Abschluss. Diesen
Wagen kann ich dann in meiner Werkstatt umfärben und an 4 verschiedenen
Stellen vorgefertigte Symbole anbringen. Darunter sind auch viele Länderflaggen.
Meiner pinknen Corvette mit englischer Flagge steht also nichts mehr im Wege.
Dieses Auto wird mir dann auch zur Auswahl angeboten, wenn wieder ein Rennen
ansteht (bei dem nur Corvettes erlaubt sind).
Die Individualisierung des Autos ist natürlich besonders reizvoll, wenn
man im Wifi-Modus gegen Kontrahenten aus der ganzen Welt antritt. Da kann
man dann mit seiner Karre richtig angeben quasi. Neue Folien bekommt man,
genau, bei erfolgreichem Abschluss von Rennveranstaltungen. In einem Editor
kann man sich auch selber solche Folien anfertigen. Da ersetze ich meine
englische Flagge doch gleich mal mit ein paar selbstgemalten Brüsten.
Und damit dann ab ins nächste Wifi-Rennen und hoffen, dass meine männlichen
Kontrahenten nur auf meine Motorhaube starren, statt auf die Straße.
Ein fabelhafter Plan, wie ich finde! Auch interessant sind die Reputationspunkte,
die ich durch gewonnene Wifi-Rennen erhalte. Dadurch kann ich mich in einer
Online-Rangliste mit anderen Fahrern messen, was sehr motivierend ist.
Das Tunen ist wenig spektakulär und ich habe bislang auch nicht wirklich
die Auswirkungen auf mein Auto bemerkt. Tuningteile spielt man natürlich
durch gewonnene Rennen frei und kann diese dann in der Werkstatt einbauen.
Das geschieht durch einfaches tippen auf ein Symbol und schon ist das Teil
drin in der Karre. Wäre dieses Tuningmöglichkeit nicht im Spiel,
würde ich es auch nicht vermissen.
Lasst mich noch ein paar Worte zur Grafik verlieren.
Auf der einen Seite gefallen mir manche Strecken richtig gut. Man sieht am
Horizont die Hochhäuser, bei Regen spiegelt sich ein Teil der Umgebung
im Wasser wieder, die Strecken sehen sehr abwechslungsreich aus und man
sieht sogar viele Sehenswürdigkeiten. Aber auf der anderen Seite passiert
es mir sehr oft, dass ich vor lauter Pixelbrei am Horizont nicht mehr den
Straßenverlauf erkennen kann. Manchmal merke ich z.B. erst zu spät,
dass es eine bessere Idee gewesen wäre, einen Tick früher nach
links in die Kurve zu ziehen. Aber da sich die Bande auf der linken Seite
in diesem Moment von der Straße oder dem Hintergrund zu wenig abhebt,
erkenne ich eben viel zu spät, dass dies möglich gewesen wäre.
Ebenso fast unsichtbare Zäune, die auf einer Strecke dieselbige an
einigen Stellen begrenzt. Von weitem denke ich "Oh, cool, da kann
ich die Kurve ein bisschen abkürzen, indem ich schon vorher nach rechts
ziehe." Ja, toll wenn dann 2 Meter vor dieser "Abkürzung" der
Zaun auf einmal erscheint. Dieser Effekt passiert immer mal wieder auf
verschiedenen Strecken und ist meiner Meinung nach wirklich der größte
Mangel, den das Spiel hat. Ein Blick auf den unteren Bildschirm, wo man
die Streckenkarte sieht, hilft da auch nicht. Meistens würde es schon
reichen, wenn der Kontrast zwischen gewissen Streckenteilen einfach größer
wäre. Von Bande zur Straße z.B. oder zur Bande dahinter. Manche
Rennspiele haben dafür auch Pfeile, die im Interface nach links oder
rechts zeigen kurz vor einer Kurve. Dadurch weiß man schon vorzeitig,
wo die Reise hingeht und wundert sich nicht darüber, dass man plötzlich
ein Picknick im Kiesbett macht.
Ansonsten sind die Rennen wirklich sehr fordernd und motivierend. Mit der
Zeit steigt natürlich auch der Schwierigkeitsgrad an, was ich bei meinem
ersten Rennen bei Regen feststellen musste. Man ist schneller von der Straße
gerutscht als man "Aquaplaning" sagen kann. Da heißt es dann:
Durchbeißen und dran bleiben.
Fazit
Ein sehr gutes Rennspiel mit kleinen Mängeln, die immer mal wieder auftauchen
aber mit denen man leben kann. Würde die Grafik nicht an manchen Stellen
das Gameplay beeinträchtigen, würde ich auch dort 5 Punkte vergeben.
So bleibe ich bei sehr guten 4 Punkten. Die Möglichkeit eigene Strecken
zu designen sowie sein Auto individuell zu gestalten bringen über lange
Zeit ebenso viel Spaß, wie in Wifi-Rennen andere Spieler am eigenen
Auspuff riechen zu lassen. Wer mal an meinem Schnüffeln möchte,
mein Freundescode lautet: 425-359-639-906.